Forschung

Auf dieser Seite möchten wir über aktuelle Forschungsprojekte an der Hochschule für Musik Mainz informieren.

Abteilung Musikpädagogik

Zum Oktober 2018 startete in der Abteilung Schulmusik/Musikpädagogik der Hochschule für Musik Mainz das Forschungsprojekt „Musik und Persönlichkeit“ in Kooperation mit der Musikhochschule Lübeck.
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Lehr-Lern-Forschungslabor Musik im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung

Das LLF Musik untersucht die Möglichkeiten vertieften Lernens durch das elementare Komponieren von Musik. Studierende sollen Lernende dazu befähigen, ästhetische Ausdrucksabsichten zu formulieren und diese mit adäquaten, musikalischen Gestaltungsmitteln zu verfolgen. Dabei sollen sie zu eigenen Bewertungskriterien gelangen und üben, über eigenes und fremdes Schaffen zu urteilen. Die Nutzung fachsprachlichen Vokabulars kann hierbei als Indikator vertieften Lernens interpretiert werden.

Das begleitende fachdidaktische Seminar behandelt Besonderheiten der Lehre in Experimentierumgebungen. Studierende lernen, Gelingensbedingungen für experimentelles Musizieren zu schaffen und die Lernenden zu ebensolchem zu ermutigen. Sie üben Spielanweisungen und Arbeitsaufträge dergestalt zu formulieren, dass kreative Potenziale freigesetzt werden. Das Seminar soll die Sinne schärfen für Indikatoren kreativen Denkens und Handelns und für ein wachsendes Gefühl der Lernenden von Urheberschaft am eigenen Schaffen. Gemeinsam werden praxisnahe Handreichungen entwickelt, die für den Umgang mit wiederkehrenden Aspekten gestalterischen Unterrichts dienlich sind, so etwa für das Erkennen, Überwinden oder Kultivieren stilistischer oder ästhetischer Präferenzen in der Musik.

Die Studierenden werden eigene kompositionspädagogische Unterrichtseinheiten konzipieren und zunächst mit Studierenden, später an einer Schulklasse erproben. Diese Proben werden videografiert und anschließend diskutiert.

Die Abteilung Musikpädagogik beteiligt sich mit diesem Lehr-Lern-Forschungslabor an der Qualitätsoffensive Lehrerbildung.

Projektteam:
Prof. Dr. Valerie Krupp-Schleußner (Professur für Musikpädagogik an der HfM Mainz)
Jonathan Granzow (Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HfM Mainz)

Abteilung Musiktheorie

Im Diskurs der letzten Jahre gehört die Wiederentdeckung der auf dem Prinzip des Generalbasses basierenden Kompositionslehre zu den wichtigsten Entwicklungen einer »historisch informierten Musiktheorie«. Dabei ist die Beschäftigung mit dem 19. Jahrhundert noch weitgehend Neuland: Wie greifen die Kontinuität theoretischer Kategorien und Denkweisen des 17. und 18. Jahrhunderts in der musiktheoretischen Ausbildung und den musikalischen Kunstwerken des späten 19. Jahrhunderts ineinander?
Am Beispiel Josef Gabriel Rheinbergers eröffnen sich neue Perspektiven auf die kompositorische Ausbildung, den kompositorischen Schaffensprozess und auf Fragen von Tonalität und Stimmführung in Musik und Musiktheorie des 19. Jahrhunderts: Rheinberger war maßgeblich an der Entwicklung der 1867 gegründeten Königlichen Musikschule München beteiligt, der Umfang seiner Schülerlisten weist ihn als einen der gefragtesten Lehrer im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts aus. Ergänzt wird die Publikation durch die Erstveröffentlichung des ersten Musikschultagebuchs Rheinbergers sowie umfangreicher Unterrichtsmaterialien, darunter des »Lehrkurses« im Fach »Contrapunct«.

--> Publikation von Prof. Dr. habil. Birger Petersen im Bärenreiter Musikverlag.

Das Forschungsprojekt wurde gefördert von der Internationalen Josef Gabriel Rheinberger Gesellschaft Vaduz.

Projektverantwortlich:

Univ.-Prof. Dr. habil. Birger Petersen

Leitung Abteilung Musiktheorie
Informationen zur Person | Forschungsprofil

Josef Gabriel Rheinberger (1839–1901) gehörte nicht nur zu den produktivsten Komponisten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sondern auch zu den einflussreichsten Lehrern für Komposition: Neben der für Rheinberger stets im Vordergrund stehenden kompositorischen Tätigkeit und seinen späteren Aufgaben als Leiter des Münchner Oratorienvereins sowie als Hofkapellmeister war er maßgeblich an der Entwicklung der 1867 gegründeten Königlichen Musikschule München beteiligt. Der Umfang seiner Schülerlisten weist ihn als einen der gefragtesten Lehrer im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts aus.
Bei einer Künstlerpersönlichkeit wie Rheinberger ist nach der Relevanz von Skizzen zu fragen. Die Möglichkeiten, die eine digital basierte Musikedition bietet – insbesondere in Hinsicht auf die Darstellung graphischer Prozesse oder anderer metatextueller Informationen in Digitalisaten ¬–, können auch für eine Aufarbeitung des Unterrichtsmaterials Rheinbergers von großem Interesse sein. Wie in der Literaturwissenschaft auch ist die Frage, welche Rolle Skizzen in der Entstehung letztgültiger Partituren spielen, autortypisch und nicht ausgehend von Modellvorstellungen zu lösen. In Skizzenbüchern Rheinbergers werden gelegentlich Satzteile ausgearbeitet oder neue Kompositionen begonnen, während vice versa in Arbeitsmanuskripten Skizzierungen anzutreffend sind; dazu kommt die Fülle an tendenziell ungeordneten Mitschriften aus Rheinbergers Unterrichtstätigkeit und der Umstand, dass in der Regel unter den Skizzenmaterialien Rheinbergers auch Schüler(innen)arbeiten finden, deren Provenienz vielfach noch zu klären ist. Modalitäten des Skizzierens sind voneinander zu unterscheiden, die den Kompositionsprozess als solchen durchdringen, aber kategorial verschiedenen kompositorischen Arbeitsformen angehören können – die einer Komposition als spontaner Einfall vorausgehende Skizze, die getrennt vom Werkautograph in einem Skizzenbuch quasi auf Vorrat gespeichert ist, besitzt einen anderen Textstatus als das skizzierte Strukturkondensat, das Eingang ins Arbeitsmanuskript findet und in der Partiturausarbeitung vom Werktext resorbiert beziehungsweise ›verbraucht‹ wird. Skizzieren ist auch bei Rheinberger Teil eines Textdialogs, der für die genetische Textkritik philologisch-methodisch wie hinsichtlich der Darstellungsweise eine Herausforderung darstellt.

Leitung: Univ.-Prof. Dr. phil. habil. Birger Petersen

Projektmitarbeiterinnen:
Jun.-Prof. Dr. phil. habil. Stefanie Acquavella-Rauch
Stephanie Schmidt

Tagung:
Neue Ansätze zur Skizzenforschung des langen 19. Jahrhunderts.
Tagung am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg am 21. und 22. September 2018

 

Publikationen:
Neue Ansätze zur Skizzenforschung für die Musik des langen 19. Jahrhunderts, hg. von Stefanie Acquavella-Rauch und Birger Petersen, Frankfurt am Main [2019, im Druck] (= Methods of Musicology Bd. 6).

Birger Petersen, »Rheinbergers Skizzen. Neue (Be-) Funde zur Orgelmusik«, in: Neue Ansätze zur Skizzenforschung für die Musik des langen 19. Jahrhunderts, hg. von Stefanie Acquavella-Rauch und Birger Petersen, Frankfurt am Main [2019, im Druck].

Birger Petersen, »›Franziska Rheinberger ist mutmaßliche Komponistin‹. Zum Umgang mit einer bekannten Unbekannten«, in: Interprètes et compositrices en France et en Allemagne: approches analytiques, sociologiques et historiques, hg. von Catherine Deutsch, Imyra Santana, Gesine Schröder und Viviane Waschbüsch, Paris [2019, im Druck].

Birger Petersen, »Unbekannte Orgelwerke von Josef Gabriel Rheinberger in der Sammlung Mus. ms. 4558«, in Organ. Journal für die Orgel 22 [2019, im Druck].

Birger Petersen, »›den 6ten Juli 1859 Abend 6 Uhr 21 Minuten.‹ Ein Skizzenkonvolut des jungen Josef Gabriel Rheinberger«, in: Die Musikforschung 72 [2019, im Druck].
Zusatzmaterial

Josef Gabriel Rheinberger, Sieben unveröffentlichte Kompositionen für Orgel, hg. von Birger Petersen, Bonn: Dr. J. Butz Musikverlag [2019, im Druck].

Das Forschungsprojekt wird gefördert von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung Essen und der Internationalen Josef Gabriel Rheinberger Gesellschaft Vaduz.