Georg Friedrich Händel: Saul

 

Oratorium in drei Akten

Solistinnen und Solisten aus den Gesangsklassen der HfM Mainz
Chor der Hochschule für Musik Mainz
Bachorchester Mainz
Ralf Otto – Leitung

Das 1738 entstandene Oratorium „Saul“ nimmt in Händels Schaffen eine Schlüsselstellung ein. Händel hatte im Jahr zuvor die wohl schwerste Krise seines Lebens durchgemacht. Im Jahr 1737 erlitt er einen Schlaganfall und war körperlich so geschwächt, dass man um sein Leben fürchtete. Außerdem wurde er von schwersten Depressionen gequält. Es brauchte lange Zeit und anstrengende Kuren, bis sich sein Gesundheitszustand gebessert hatte. Händel, 53 Jahre alt, ging aus der Krise nicht nur physisch, sondern auch geistig verändert hervor.

„Saul“, sein erstes großes Werk nach jener Krise, bildete den Auftakt zu Händels größten Schöpfungen. Denn mit dem „Saul“ begann nicht allein Händels künstlerisch bedeutendste Periode, sondern er traf, indem er mit dem Oratorium eine alte Kunstform zu neuer Größe erhob, den Geschmack des – zunehmend bürgerlichen – englischen Publikums besser als zuvor. Händel schuf in seinen großen Oratorien eine musikdramatische Form, mit der sich die englische Nation bis in unser Jahrhundert hinein tief identifizierte. Im viktorianischen Zeitalter wurde die Aufführung Händel’scher Oratorien zu einer Art nationaler Pflichtveranstaltung, und es war selbstverständlich, dass man sich beim „Hallelujah“ aus dem „Messias“ oder beim Trauermarsch aus dem „Saul“ erhob und mit patriotischer Gänsehaut (oder schülerhafter Pflichterfüllung) die großartige Musik in Empfang nahm.

In den allegorischen, moralisierenden, empfindsamen oder einfach nur hymnenartig verklärenden Chören des Händel’schen Oratoriums vernahm das selbstbewusste englische Bürgertum seine eigene Stimme, und, getragen von der breiten öffentlichen Zustimmung, blieb das Oratorium für Händel auch die Form, in der er seine wichtigsten Gedanken aussprach.

Text: Dr. Oliver Sturm
aus einem Programmheftbeitrag für den Bachchor Mainz, 2007