Producing, DJing, Sampling und Remixing, virtuelle Ensembles, Künstliche Intelligenz, Plattformen, Social Media, Streaming und Algorithmen: Wie Musik in einer Kultur der Digitalität entsteht, erlebt, gelernt und vermittelt wird, hat sich maßgeblich verändert. Das DFG-Netzwerk Postdigitale Musikpraxen in der Musiklehrkräftebildung untersucht, was diese Entwicklungen für die Ausbildung zukünftiger Musiklehrkräfte bedeuten und wie sie sinnvoll integriert werden können.

Worum geht es?

Das DFG-Netzwerk widmet sich der Erforschung postdigitaler Musikpraxen und ihrer Übersetzung in die Musiklehrkräftebildung. Als postdigital werden diese Praxen verstanden, weil sie unter den Bedingungen einer durch Digitalisierung geprägten Welt entstehen, zugleich aber nicht ausschließlich als digital gedacht werden können. Vielmehr verbinden sich in ihnen digitale und analoge Praktiken und Prozesse auf vielfältige Weise. Eine postdigitale Perspektive nimmt außerdem neben technischen insbesondere auch die sozialen, kulturellen, ästhetischen, ökologischen und ökonomischen Dimensionen dieser Praktiken in den Blick.

Warum ein Netzwerk?

Postdigitale Musikpraxen prägen gegenwärtige Musikkulturen und die musikalischen Lebenswelten von Schüler*innen und Studierenden. In der Ausbildung zukünftiger Musiklehrkräfte sind sie bislang jedoch nur vereinzelt und uneinheitlich verankert. Zwar wurden an einzelnen Hochschulstandorten ausgewählte (post-)digitale Musikpraxen bereits als künstlerische Fächer eingeführt, ihre Integration befindet sich jedoch noch in einem frühen Stadium.

Damit stellen sich grundlegende Fragen: Wodurch zeichnen sich postdigitale Musikpraxen aus? Wie lassen sich diese angemessen in die Musiklehrkräftebildung übersetzen? Welche Kompetenzen (künstlerisch, fachlich, fachdidaktisch usw.) sind mit ihnen verbunden? Wie können postdigitale Musikpraxen als künstlerische Fächer so in bestehende Studiengänge eingebunden werden, dass Kohärenz und Anschlussfähigkeit zu anderen Bereichen des Studiums und weiteren Phasen der Lehrkräftebildung gewährleistet sind?

Hier setzt das Netzwerk an: Es bringt Forschende und Lehrende aus Musikpädagogik, Musikwissenschaft, Popular Music Studies, Sound Studies und Kulturwissenschaft standortübergreifend zusammen. Ziel ist es, bestehende Forschung und fachliche Expertise zu bündeln, unterschiedliche Übersetzungsprozesse vergleichend zu untersuchen und darauf aufbauend curriculare und hochschuldidaktische Konzepte forschungsbasiert weiterzuentwickeln. Dabei begreift das Netzwerk Übersetzung nicht als neutralen Transfer, sondern als einen Prozess, bei dem stets auch Fragen von Repräsentation, Macht, Hegemonie und gesellschaftlicher Verantwortung mitverhandelt werden.

Warum ist das wichtig?

Mit dem Vorhaben leistet das Netzwerk einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Musiklehrkräftebildung unter den Bedingungen gegenwärtiger Musikkulturen und multipler Krisen. Es stärkt den standortübergreifenden Austausch, verbindet Forschung mit künstlerischer und didaktischer Praxis und scha_t eine Grundlage dafür, postdigitale Musikpraxen di_erenzsensibel, kritisch-reflexiv und nachhaltig in Studium und Lehre zu verankern.

Über die dreijährige Laufzeit finden sechs zweitägige Arbeitstreffen statt, ergänzt durch digitale Austauschformate sowie Impulse eingeladener Gäste.
Die Arbeit konzentriert sich auf drei miteinander verbundene Ziele:

Postdigitale Musikpraxen sowie ihre bisherigen Übersetzungen in die Musiklehrkräftebildung werden systematisch untersucht, etwa mit Blick auf künstlerische Strategien und Techniken, Ästhetiken und Artefakte, Prozesse der Aneignung, Professionalisierung und Vermittlung.

Auf dieser Grundlage entwickelt, erprobt und reflektiert das Netzwerk eigene Ansätze der Übersetzung, darunter Kompetenzheuristiken, Lehr-Lern-Formate und curriculare Module. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Verankerung (post)digitaler Musikpraxen als künstlerische Fächer und ihrer Einbindung in bestehende Studiengangsstrukturen.

Die Ergebnisse werden über das Netzwerk hinaus zugänglich gemacht, unter anderem durch zwei Sonderausgaben der Fachzeitschrift sustain – Journal of Sustainability and Futures in Music Education sowie ein öffentliches Abschlusssymposium.

Das Netzwerk vereint insgesamt 16 Mitglieder verschiedener Universitäten und Musikhochschulen im deutschsprachigen Raum.
Initiiert wurde es von Vertr.-Prof. Dr. Chris Kattenbeck und Dr. Josef Schaubruch, die gemeinsam die Netzwerkarbeit koordinieren.

weitere Mitglieder:

Prof. Dr. Michael Ahlers, Leuphana Universität Lüneburg
Dr. Fabian Bade, MH Lübeck
Prof. Dr. Thade Buchborn, HfM Freiburg
Philipp Feneberg, Mozarteum Innsbruck
Prof. Dr. Marc Godau, Universität Paderborn
Dr. Sarah Hardjowirogo, C.v.O.-Universität Oldenburg
Benjamin Hecht, HMT Rostock
Prof. Dr. Carmen Heß, HfMT Köln
Prof. Dr. Barbara Hornberger, Bergische Universität Wuppertal
Matthias Krebs, BEST-Sabel Oberschulen Köpenick, Berlin
Prof. Dr. Valerie Krupp, HfM Mainz
Jun.-Prof. Dr. Malte Pelleter, Universität Münster
Jun.-Prof. Dr. Johannes Treß, PH Freiburg
Lisa Werner, PH Karlsruhe

1. Arbeitstreffen
29.–30. September 2026, Hochschule für Musik Mainz

2. Arbeitstreffen
in Planung