Die Hochschule für Musik Mainz an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz trauert um ihren ehemaligen Kollegen und Dekan

Univ.-Prof. Lutz Dreyer

* 21. Februar 1943     † 29. Juni 2026


Nachruf

Die Hochschule für Musik Mainz trauert um ihren ehemaligen Kollegen und Dekan Prof. Lutz Dreyer, der am 29. Juni im Alter von 83 Jahren verstarb.
Vor 40 Jahren, 1986, wurde er auf eine Professur für Musiktheorie an der Mainzer Hochschule berufen, vor zehn Jahren, 2016, wurde er in den Ruhestand verabschiedet. Von 1995 bis 1999 leitete er als Dekan den Fachbereich Musik der Johannes Gutenberg-Universität, wie die Musikhochschule damals noch hieß.

Lutz Dreyer ist den Lehrenden und Studierenden dieser Zeit mit seinem freundlichen, humorvollen und geradlinigen Wesen in bester Erinnerung. Er hatte immer ein offenes Ohr für fachliche Fragen wie auch für persönliche Probleme und half Hindernisse aus dem Weg zu räumen, wenn er damit Studierenden den Weg in die berufliche Laufbahn ebnen konnte. Die Sorge um und für die Studierenden war für ihn als Leiter des Fachbereichs Musik das wichtigste Anliegen.

Dem entsprach auch seine Haltung zur musikalischen Bildung und Wissensvermittlung durch systematischen Aufbau seiner Lehrveranstaltungen in den musiktheoretischen Disziplinen Tonsatz, Hörschulung und Formenkunde. Allein durch seine Benennung dieser Disziplinen anstelle der üblichen Bezeichnungen Gehörbildung und Formenlehre machte er deutlich, dass es ihm nicht um ein fertiges Lehrgebäude ging, sondern dass er mit den Studierenden zusammen aus der Musik zu Erkenntnissen und Erfahrungen kommen wollte, die wiederum der Interpretation von Musik zugutekommen. Ein besonderes Interesse galt dem Unterricht in Gruppen-Improvisation im Schnittpunkt von Konzept und Spontaneität. Die Ergebnisse dieses kreativen Unterrichts mündeten in eindrucksvolle Konzerte. Manchem wird noch das Oratorium „König David“ für Sprecher, Choralschola und Improvisationsensemble in Erinnerung sein. Da spürte man die Leidenschaft, Fantasie und Akribie aller Beteiligten.

Gesprächskonzerte in Dialogform mit musikalischer Konkretisierung, wie über die Zahlensymbolik bei Bach oder die stilistischen Grenzüberschreitungen bei Domenico Scarlatti ergänzten seine Hochschullehre.

Die Verbindung von Emotionalität mit klaren und durchdachten musikalischen Formen und Strukturen prägten nicht nur seine Improvisationsprojekte, sondern auch seine eigenen Kompositionen, die vorwiegend aus dem Bereich der Kammermusik stammen und mit Themen der Weltliteratur, Naturwissenschaft oder Architektur verbunden sind. Dazu zählen „Orpheus“, „Musica mundana – Hommage à Johannes Kepler“ und „Annäherung“ (an die Geheimnisse des Mainzer Doms).

Prof. Lutz Dreyer hat sich als inspirierender Hochschullehrer und verantwortungsvoller Dekan, dem eine voll ausgebaute Musikhochschule mit künstlerischen und pädagogischen Studiengängen ebenso am Herzen lag wie ein motivierendes Hochschulklima, große Verdienste um die Hochschule für Musik Mainz erworben. Neben seiner fachlichen Kompetenz bleibt er als freundlicher, allen zugewandter Kollege und Lehrer in dankbarer Erinnerung. Mit ihm zusammenzuarbeiten war eine Freude und Bereicherung. Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie.

Prof. Dr. Jürgen Blume
im Namen der Hochschule für Musik Mainz