Berichte

Exkursion nach Spanien (29.9. - 6.10. 2016)

Am 29.9.16 bis zum 6.10. machte sich die Abteilung Kirchenmusik/Orgel mit Begleitung von Prof. Gnann, Prof. Kaiser und Fr. Pikulska auf den Weg, die spanische Orgellandschaft in Kastilien zu erkunden. So wurden bereits im vorherigen Semester eifrig Stücke dieser Epoche geübt und bei einem spanischen Abend und mehreren Seminarterminen vorgespielt und besprochen; man war sich einig, es würde eine interessante, lehrreiche und auch vergnügliche Reise werden.

So traf sich die Gruppe dann an einem Donnerstagmorgen versammelt am Flughafen, um in ein Abenteuer zu starten: Nach einem relativ angenehmen Flug gingen wir sogleich unsere Leihautos abholen und fuhren nach Tordesillas - schon auf der Hinfahrt eine fantastische Aussicht auf die spanische Landschaft und es herrschte angenehme Stimmung in den Autos. Nach einem ausgiebigen Abendessen ließen wir den Abend im Innenhof des Hotels oder am Plaza Major gemütlich bei Rotwein und Schinken ausklingen. Am nächsten Tag erfolgte eine Orgelführung von Herrn Gnann an den Orgeln Tordesillas': Zuerst wurde uns die Orgel in San Pedro vorgestellt und ein klanglicher Eindruck gegeben, dasselbe dann einen kurzen Fußweg entfernt in Santa Maria. In unserem Umkreis befanden sich  noch drei weitere historische Orgeln, die es zu erkunden und auszuprobieren galt. Deswegen wurde die etwa 20-köpfige Gruppe in vier Kleingruppen aufgeteilt. Aufgabe war es, die Instrumente kennenzulernen und in einem kleinen internen Vorspiel den anderen Gruppen zu präsentieren. So wurde am selben Tag noch die Orgeln in Rueda und Nava del Ray vorgestellt; zwei wahrlich schöne Instrumente, die man aber nicht auf den ersten Blick durchschaut, was den von den Kleingruppen aber trotzdem gemeistert wurde. Erneut wurde der Abend mit Wein, Musik und diesmal auch Tanz ausklingen gelassen. Ein bisschen spanische Atmosphäre muss man eben auch spüren…

Der dritte Tag begann nach einem guten Frühstück direkt mit der Vorstellung der Orgeln in Santa Maria und La Seca: Letztere muss wohl besonders unübersichtlich gewesen sein, da sie die größte Orgel Kastiliens außerhalb einer Kathedrale ist. Danach war Zeit für ein ausgiebiges Mittagessen und für das Bestaunen des Mittelalterfestes, das am Wochenende zu unserer Präsenzzeit in vollem Gange war. Am Nachmittag begann dann der Meisterkurs bei Andrés Cea Galán, einem ausgewiesenen Experten für barocke spanische Orgelmusik. Obwohl der Kurs auf Englisch gehalten wurde war alles gut verständlich und man konnte auch, übergreifend auf andere Orgellandschaften, viel in Sachen „musikalische Gestaltung“ mitnehmen. Trotzdem standen natürlich spanische Meister, wie z.B. Antonio de Cabezón und Francisco Correa de Arrauxo im Mittelpunkt. Zum wohlverdienten Feierabend begaben wir uns erneut auf den Marktplatz, um dem Treiben des Mittelalterfestes zu frönen.

Am Sonntag wirkte unser Kurs im Gottesdienst in Nava del Rey mit. So wurde vorher sogar in Eigeninitiative der Studenten ein Projektchor unter der Leitung von Carsten Ehret ins Leben gerufen, der gleichberechtigt mit der Orgel im Gottesdienst eingesetzt wurde. So wurde der Gottesdienst zu einem schönen musikalischen Ereignis, das sowohl wir, als auch der Rest der Gottesdienstbesucher nicht so schnell vergessen werden. Am Nachmittag ging es dann in vollem Gang weiter bei Andrés Cea Galén, der an diesem Tage die Tientos von Arrauxo in den Mittelpunkt der Betrachtungen stellte. Abends fand dann in Rueda ein erstes Konzert statt, erneut mit dem Chor des Gottesdienstes. Danach wurden wir, ganz nach spanischer Mentalität, spontan in das Weingut einer sehr begeisterten Konzertbesucherin eingeladen, um dort einige ihrer Weine zu probieren. Nach solch einem Tag ging es für uns alle direkt nach dem Abendessen ins Bett.

Der fünfte Tag stand komplett im Rahmen des Meisterkurses bei Andrés Cea Galán. Nun sollten alle, die noch nicht vorgespielt hatten, an die Reihe kommen. So gab es heute zwar kein eingegrenztes Thema, aber dennoch viele gute Ratschläge zur Gestaltung spanischer Barockmusik. Den Abend genossen wir bei Gesellschaftsspielen und ausgelassener Gemütlichkeit.

Der Dienstag war frei von jeglichem Orgelspiel, wir wollten nämlich Salamanca erkunden: Erik Reinhardt war bereit, diesen Tag zu organisieren und sich vorher zu überlegen, welche Sehenswürdigkeiten man erkunden solle. So genossen wir eine anregende Stadtführung, bei der für jeden etwas dabei war. Danach schlossen sich noch einige Kleingruppen zusammen, um in Eigenregie den Flair der Stadt zu erkunden.

Am letzten Tag stand abends noch ein Konzert an; im Hinblick darauf wurde mit jedem dort Vortragenden noch die Registrierung besprochen. Ebenso wurde erneut ein kleines Chorprojekt diesmal unter der Leitung von Erik Reinhardt anlässlich des Konzertes ins Leben gerufen. Dieses war ein voller Erfolg: ein begeistertes Publikum, ein abwechslungsreiches Programm und gute Stimmung in Santa Maria. Den letzten Abend verbrachten wir mit einem Nachtspaziergang durch Tordesillas - ein wundervoller Anblick bot sich uns!

Auf der Fahrt zum Flughafen machten wir einen kurzen Zwischenstopp in Segovia und besuchten dort in der Kathedrale das Grab des großen Meisters Correa de Arrauxo.

Zusammenfassend war es eine stark bereichernde Reise, sowohl in gruppendynamischer Hinsicht als auch natürlich in spieltechnischer Hinsicht auf die Orgel. Spanische Orgelbarockmusik bleibt wohl eine Herausforderung, der wir aber ein großes Stück näher gekommen sind.

Philipp Klein, Julius Wingerter

Orgelexkursion nach Kassel (2. - 4. Juni 2016)

Orgelmusik der 1960er an der Bosch-Bornefeldorgel in der katholischen Kirche St. Elisabeth

Würde man einen Kulturinteressierten fragen, was er mit der Stadt Kassel verbindet, bekäme man wahrscheinlich Antworten wie: Herkules, Bergpark oder Documenta.
Fragt man jedoch Orgelinteressierte oder nun auch Studenten der Mainzer Hochschule, so hieße es sofort: die „Bosch-Bornefeldorgel“.
Dieses sehr besondere und in seiner Klangkonzeption einzigartige Instrument wurde in den 1960er Jahren zusammen mit dem Orgelästhetiker Helmut Bornefeld konzipiert und schließlich 1964 in St. Martin als Neubau realisiert.
Der damalige Kantor Klaus Martin Ziegler machte Kassel mit den bekannten „Kasseler Musiktagen“ zu einem Zentrum neuer geistlicher Musik. Zahlreiche Werke kamen unter seiner Leitung oder durch hochkarätige Gäste zur Uraufführung – darunter auch etliche Orgelwerke.
2015 erhielt die Orgel im Rahmen eines Neubaus in St. Martin und einer umfassenden Sanierung und Neuintonation ihren neuen Standort in der Innenstadtkirche St. Elisabeth. Seither erfreuen sich Zuhörer und Spieler an den 57 Registern, die Namen tragen wie „Obertöne 3fach“, „Unruh“ oder „Basszink“.
So auch die Studierenden der Kirchenmusik an der Musikhochschule Mainz unter künstlerischer Betreuung von Prof. Hans-Jürgen Kaiser.

Die Studenten konnten sich mit Werken von Froberger oder Bach über Paul Hindemith und Ligeti bis hin zu zeitgenössischen Komponisten mit der Orgel und der neuen, obertonreichen Klangwelt vertraut machen. Dazu referierte der dortige Kantor Thomas Pieper zu Beginn des Kurses über die Geschichte der Orgel innerhalb der Stadt Kassel, ihre Konzeption und die neuen Zielsetzungen der Innenstadtgemeinde in Verbindung mit dem neuen aber auch bekannten Instrument. Hierzu beeindruckte Prof. Kaiser mit einer klanglich sowie improvisatorisch differenzierten Vorstellung der Orgel, die den räumlichen Gegebenheiten exzellent angepasst worden ist und durch die nicht zu erwartende Registermischung im Raum glänzt.
Der Kursinhalt dieser zwei Tage war es, den Studierenden die Ästhetik jener Zeit nahe zu bringen, ihnen neue Klangmöglichkeiten aufzuzeigen und deren Stärken kennen und schätzen zu lernen.
Nachdem sich am ersten Tag alle Studenten mit dem Instrument vertraut machten und die klanglichen Möglichkeiten für Orgelmusik jeglicher Epochen austesteten, konnte man auch in St. Martin den früheren Standort der Orgel besichtigen. Dabei stellte der Martinskantor Eckard Manz das neue Orgelkonzept vor, welches von der Orgelbaufirma Rieger bis 2017 realisiert werden soll.
Das Programm konnte schließlich im Freien an der nahe gelegenen Karlsaue bei wunderbarem Wetter mit einem Vortrag von Oberkirchenrat i.R. Klaus Röhring über die internationale Relevanz der „Kasseler Musiktage“ abgerundet werden.
Dabei ging es besonders um die „Neue Musik“, ihre Initiatoren, die Gastmusiker – und komponisten und die zahlreichen Uraufführungen im Rahmen der „Musiktage“. Auch der Zugang des Publikums, die Musikvermittlung durch die einzelnen Musiker und die liturgische Einbindung neuer Musik in den Gottesdienst wurden im Vortrag und folgenden Gespräch thematisiert.
Die Studierenden konnten sich abschließend bei einem Konzert in der St. Elisabethkirche unter Beweis stellen. Ein stilistisch als auch klanglich sehr vielseitiges Programm rundete den Kurs gelungen ab und stellte die Wandelbarkeit und die hohe Klangfarbenvariabilität der Bosch-Bornefeldorgel unter Beweis.
Die Studenten gaben durchweg positive Rückmeldungen zur Exkursion ab und fühlten sich durch den ersten Kontakt mit einem solchen Instrument inspiriert mehr über zeitgenössische Orgelmusik zu erfahren und auch selbst zu erarbeiten.
Ein solcher Klangkörper eröffnet dem Spieler ganz andere Möglichkeiten und lässt ihn auch die Musik ab den 1960er Jahren durch den besonderen Obertonreichtum besser verstehen. Zahlreiche Werke wurden speziell für diese Orgel geschrieben, um den neuen Klangmöglichkeiten und der zeitgenössischen Musik Ausdruck zu verleihen.
Somit erwies sich diese doch spezielle und nicht alltägliche Orgelexkursion als eine Bereicherung für alle Teilnehmenden nicht zuletzt auch durch die Vorstellungen der Referenten.
An dieser Stelle sei ein herzliches Dankeschön an alle Unterstützer dieses Projektes ausgesprochen (Bistum Fulda und Mainz sowie die Landeskirche in Hessen und Nassau), besonders aber an unseren Dozenten Prof. Kaiser, der diese Fahrt durch seine Ideen und sein Engagement erst ermöglicht hat.

(Text: Erik Reinhardt)


Disposition Elisabethkirche Kassel,
Bosch-Bornefeld-Orgel (1964)

Hauptwerk (II): Oberwerk/Schwellwerk (III):

Gedacktpommer 16´ Rohrpommer 8´
Prinzipal 8´ Spitzgedackt 8´
Gemshorn 8´ Ital. Prinzipal 4´
Oktave 4´ Rohrflöte 4´
Nachthorn 4´ Sesquialter 2 2/3´ + 1 3/5´
Rauschharfe 4´ + 2 2/3´ Prinzipal 2´
Nonenkornett 3fach 2 2/3´ Gemshorn 2´
Quinte 2 2/3´ Blockflöte 1´
Ital. Prinzipal 2´ Sifflöte 1 1/3´
Larigot 1 1/3´ + 1´ Obertöne 1 1/7´
Mixtur I 4-6 fach 2´ Grobmixtur 6-8 fach 1 1/3´
Mixtur II 4 fach 1´ Quintzimbel 4 fach 1/2´
Trompete 16´ Fagott 16´
Span. Trompete 8´ Hautbois 8´
Span. Trompete 4´ Tremulant
Tremulant

Pedal:
Rückpositiv (I):
Prinzipal 16´
Quintade 8´ Untersatz 16´
Gedackt 8´ Baßzink 10 2/3´ + 6 2/5´
Prinzipal 4´ Oktavbaß 8´
Flötgedackt 4´ Gedecktbaß 8´
Rohrnasat 2 2/3´ Rauschwerk 3 fach 5 1/3´
Hohlflöte 2´ Hintersatz 4 fach 5 1/3´
Quarte 1 1/3´ + 1´ Choralbaß 5 fach 4´ *
Terznone 1 3/5´ + 8/9´ Rohrpfeife 4´ *
Scharf 5 fach 1´ Glöckleinton 2´ + 1´ *
Unruh 3 fach 2/9´ Kontrafagott 32´
Dulciana 16´ Posaune 16´
Vox humana 8´ Kopftrompete 8´ *
Messingschalmei 4´ Clairon 4´ *
Tremulant Kornett 2´ *
Tremulant für Solopedal (*)

Projektbericht Spanische Orgel (Februar 2014)

Iberische Klänge am Rhein – Hochschule für Musik Mainz weiht neue spanische Barockorgel ein

Einzige Musikhochschule Europas mit einem solchen Instrument im eigenen Haus

Seit Dezember stehen Studierende, Lehrende und Besucher der HfM Mainz staunend vor der neuesten Errungenschaft der Hochschule: Eine stilgetreue Kopie einer spanischen Orgel des sogenannten Goldenen Zeitalters Spaniens (16. bis 18. Jahrhundert). Das farbenfrohe und liebevoll ausgearbeitete Instrument stammt aus der Werkstatt des Orgelbauers Joaquin Lois in Tordesillas, Kastilien, und ist in allen Belangen historisch detailgetreu nachgebaut. Die „Spanische Orgel“ ist gegenüber einer modernen Orgel der Firma Goll im Orgelsaal der Hochschule für Musik Mainz aufgestellt. „Wir sind damit die einzige europäische Musikhochschule, die im eigenen Haus über ein solches Instrument verfügt“, erklärt Gerhard Gnann, Professor für Orgel, der die Anschaffung der Spanischen Orgel betreute und organisierte und dabei von der Forschungsförderung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), den „Freunden der JGU“ sowie privaten Förderern unterstützt wurde.

Perfektes Spanisch in bestechender Optik
Das Instrument leuchtet in den traditionellen Farben des Spanischen Barocks (türkis, gold, blau, grün und weiß), die mit großer Handwerkskunst auf dem massiven Kiefergehäuse aufgetragen wurden und wie in einer Marmorierung harmonisch ineinander laufen. Auffällige Details sind die aus Metall gefertigten, in ihrer Größe aufsteigenden Reihen spanischer Trompeten und die Tastatur aus Porzellan und Ebenholz. Auch der Klang des Instruments ist farbig und unverwechselbar: Das Spektrum reicht von charaktervollen kantablen Prinzipalen über majestätische, imposante Klänge bis zum markanten Bajoncillo der spanischen Trompete. „Die Spanische Orgel spricht perfekt spanisch, genauer gesagt kastilisch. Sie ist geschaffen für die spanische Orgelliteratur des „Siglo Oro“, so Prof. Gnann.

Großer Gewinn für die Studierenden
Für die Studierenden ist die Spanische Barockorgel ein einzigartiges Geschenk, denn ihnen wird ein effektives Studium der so genannten historischen Aufführungspraxis im eigenen Haus ermöglicht. Darunter versteht man das Bestreben, Musik vergangener Epochen mit authentischen Instrumenten, historischer Spieltechnik und im Wissen um die künstlerischen Gestaltungsmittel der jeweiligen Zeit wiederzugeben. Für heutige Musikabsolventen sind diese Kenntnisse und Fertigkeiten entscheidend für ihre künstlerische Profilierung und den erfolgreichen Eintritt in den Arbeitsmarkt. Die Möglichkeit der manuellen Betätigung der Windanlage bedeutet eine weitere orgelbauliche Attraktion. Das Instrument fördert auch eine weitere Vernetzung der Abteilung für Orgel und Kirchenmusik mit anderen Abteilungen des Hauses und der Universität.

(18.02.2014)

 

Dijon-Fahrt (Frühjahr 2012)

Am Mittwochmorgen ging es gut gelaunt morgens um 9:00 vor der Hochschule aus los. Auf drei Autos verteilt machten sich Studenten der Orgelklassen der HfM Mainz auf den Weg in die Mainzer Partnerstadt Dijon. Da die erste Kirche leider wegen kurzfristig angesetzter Gottesdienste nicht besucht werden konnte, stand mehr Zeit für die lange Anfahrt zur Verfügung, und so nahmen die Wagen unterschiedliche Wege, um etwas von der Landschaft, eine Stadt oder auch nur die Vogesen von der Ferne zu sehen. Nachmittags um 15:00 erreichten die ersten zwei Autos Dijon und nachdem das gemütliche Hotel bezogen worden war, wurde zu Fuß die Innenstadt erkundet. Man beschloss, zwei Gruppen zu bilden: die einen erkundeten die Innenstadt rund um den Marktplatz, besuchten ein Café besuchen und kauften das berühmteste Souvenir aus Dijon: den berühmten Senf. Die andere Gruppe fuhr zum äußerst sehenswerten Lac Kir um sich nach der langen Fahrt etwas die Beine zu vertreten. Der See verdankt seinem Namen seinem Planer, dem ehemaligen Dijoner Bürgermeister Kir, der neben diesem Erholungsrefugium auch das berühmte Getränk Kir untrennbar mit Dijon verband, woraufhin es die Einwohner nach ihm benannten. Kir ist eine Mischung aus einem speziellen Weißwein (bourgogne aligoté) und Crème de Cassis. Wer es noch nicht probiert hat, sollte dies unbedingt nachholen. Auch die Variante mit Champagner (Kir royale) ist sehr zu empfehlen. Am Abend folgten wir der Einladung von Herrn Pluyaut zu einem Konzert seiner Orgelklasse. Anschließend trennten sich zunächst die Wege, da manchen nach einem Spaziergang war, andere ein Lokal zum Fußball Miterleben suchten und wieder andere dem Kir zu sprachen. Zu letzteren gehörte auch Professor Kaiser, den die, bei ihrer Suche unglücklich gebliebenen Fußballfans überraschend in einer Bar fanden. Nachdem man ein paar Worte gewechselt hatte, betrat zur allgemeinen Überraschung ein allen Wohlbekannter das Lokal: Prof. Gnann war gerade mit dem Zug angekommen. Herr Kaiser ließ sich nicht zweimal bitten und spendierte eine Runde Kir für alle, und nachdem dieser getrunken war, traf sich die ganze Gruppe wieder in einem Restaurant.

Am nächsten Tag führte der Weg zunächst ins Konservatorium, wo Herr Pluyaut „seine“ Orgel präsentierte und einen kleinen Kurs zum Thema „Spielen, was nicht da steht“ gab, wobei es sehr spannend war, zu erleben, was er als Franzose darunter verstand. Anschließend wurde das Deutsche Haus besucht, wo man uns freundlich auf einen Kaffee im schönen Garten einlud. Dann ging es in die Kirche St. Pierre, wo eine 23 Jahre „junge“ Orgel im italienischen Stil zu bewundern war. Besonders in Erinnerung blieben die Bemalung des Spieltischs und die lebendig plaudernde Nachtigall, die kurzerhand mit Wasser versorgt wurde, um erklingen zu können. Die nächste Station bildete die Kirche St. Chantal, wo eine Orgel des Orgelbaumeisters Ghys steht. Herr Kaiser improvisierte recht „apart“ über BACH und wurde dafür von den Studierenden und auch Besuchern der Kirche mit Applaus bedacht. Ein klanglicher Höhepunkt der Orgel war die sehr interessante Schwebung, die außerordentlich intensiv, aber zugleich nicht aufdringlich war. Auch die nächste Orgel auf dem Programm war von dem Orgelbauer Ghys, welche in Notre Dame de Dijon steht. Das etwas größere Instrument hatte den praktischen Vorteil, dass feste Kombinationen schnelle Registerwechsel erlauben. Erwähnenswert ist auch das Gehäuse der Orgel, das mit reichen und sehr fantasievollen Schnitzereien ein wahres Kleinod ist. Der Titulaire, der die Orgelführung auf Deutsch hielt, da er einige Jahre in Deutschland gelebt hatte, schlug eine Turm- und Dachbesichtigung vor, die gerne angenommen wurde. Oben angekommen, fand sich auf dem Dach neben einem tollen Blick über die Stadt auch ein Turm, in dem gusseiserne Statuen und allerlei rätselhafte Türen zu sehen waren. Besonders der Blick direkt von der Fassade der Kirche nach unten wird in Erinnerung bleiben, denn man befindet sich in guter Gesellschaft  mit Menschen- und Tierköpfen und wunderlichsten Fratzen und Fabelwesen. Letzter Programmpunkt des Tages war der Besuch bzw. die Teilnahme an einem kleinen Kammermusikkonzert der Klasse Pluyaut im Konservatorium. Hier waren Werke für Orgel und Trompete, Orgel und Flöte, Orgel und Cello, Orgel solo und Gesang mit Klavierbegleitung zu hören. Mitten im Programm stellte Herr Pluyaut einen seiner Studenten vor, den er mit den Worten „der größte Organist von Burgund“ ankündigte. Mancher staunte nicht schlecht, als dieser mit der linken Hand eine Tredezime griff. Nach dem Konzert ließ man den Abend in einem Lokal ausklingen. Nur eine Studierende hatte der Tag scheinbar so begeistert, dass sie noch im Konservatorium blieb und übte.

Der folgende Tag brachte einige Autofahrten in die Umgebung von Dijon mit sich. Die erste Orgel auf dem Programm war die weltberühmte Riepp Orgel in Dôle, eine der vier bedeutendsten Orgeln Frankreichs, die aus der klassischen Zeit überdauert haben. In der großen Basilika entfaltet der Klang dieser Orgel eine ganz besondere Pracht. Dass dies ein kleines Wunder sei, erzählte der Titulaire, wobei Herr Gnann für die Gruppe dolmetschte: Nachdem die Orgel in den 1950erJahren durch größere Umbauten einigermaßen entstellt worden war, besuchte der bekannte Orgelbaumeister Jürgen Ahrend die Kirche und hörte die Orgel. Er wusste von den Umbauten und war verblüfft, dass der Klang trotzdem solche Schönheit und Kraft in sich trug. „Unmöglich, unmöglich…“, habe er, so der Titulaire, immer wieder gesagt. Heute vermeidet man alle Arbeiten an der Orgel, auch, da man den Staub in den Pfeifen nicht verändern will. Man fürchtet, dass der Klang dadurch leiden könnte. Nach einer Vorführung der Register durften die Studierenden selber spielen und auch die historische Balganlage in Augenschein nehmen. Vor dem Mittagessen an der Saȏne in St. Jean de Losne zeigte uns ein ausgezeichnet deutschsprechender Titulaire die Orgel von St. Jean, welche die Bewohner der Stadt einst vor der französischen Revolution gerettet hatten. Der vorletzte Halt des Tages war in Seurre, wo eine Tribout/Aubertin Orgel von 1699 steht. Der Titulaire stellte die typischen französischen Register vor, spielte aber auch Orgelwerke von J. S. Bach. Die Kirche ist für Aufnahmen aufgrund der guten Akustik sehr geeignet und so war es ein schönes Bild wie Anna Pikulska im Stuhl des Priesters hinter dem Altar Platz genommen hatte und andächtig lauschte. Jetzt stand der Besuch eines Weinkellers auf dem Programm, zu dem es jedoch leider  nur in stark diminuierter Form kam. So wurde schnell ein Picknick auf einer Verkehrsinsel in der Innenstadt eines kleinen Ortes an der Weinstraße improvisiert, bei dem es Brot und typisch französischen Käse gab, zur Belustigung aller Besucher im benachbarten Café. Zum Abendessen lud uns Herr Pluyaut in sein schönes Haus ein wo er uns vorzüglich bewirtete und man noch einige gemütliche Stunden verbrachte. Als man dann das Hotel wieder erreichte, war es noch früh genug, noch einmal in die Stadt zu gehen, um ein Lokal aufzusuchen. Zum Abschluss der Orgelfahrt führte Herr Pluyaut noch „seine“ Lieblingsorgel in St. Meure vor. Nach diesem würdigen Abschluss der unter Anleitung von Anna Pikulska hervorragend organisierten Fahrt trat man den Heimweg nach Mainz an, voll von schönen Erinnerungen und interessanten Klangeindrücken.  

Spanische Orgel in der HfM (November 2011)

„Welch ein farbprächtiges Instrument im neuen Orgelsaal!“. Solche bewundernden Äußerungen vieler Kollegen und musikinteressierter Gäste konnten im vergangenen Sommersemester häufig vernommen werden beim Besuch eines der zahlreichen Orgelkonzerte in der Hochschule für Musik Mainz. Diese Bemerkungen meinten jedoch nicht die neue dreimanualige Goll-Orgel (2010), deren Klangpracht unbestritten ist, sondern die kleine spanische im hinteren Teil des Saals, welche durch ihren originellen Prospekt sofort ins Auge fällt. Nicht nur die künstlerische Gestaltung des iberischen Instrumentes sorgte für Überraschung, sondern auch sein charakteristischer Klang in klassisch mitteltöniger Stimmung (415 Hz bei 21°C). Vom sanften Flautado bis zum majestätischen Plenum, vom farbigen Corneta bis zum markanten Bajoncillo (so genannte spanische Trompete) reicht das vielfältige Spektrum. Trotz der obertönigen Register klingen die Werke von iberischen Meistern wie Bruna, Braha, Cabezon und d`Arauxo edel und gravitätisch.

Die Möglichkeit der manuellen Betätigung der drei Windbalge bedeutet eine orgelbauliche Attraktion, die im Hinblick auf die Erforschung des Klanges und in musikpädagogischer Hinsicht von unschätzbarem Wert ist. Welche Bedeutung der Winddruck für die Klanggestaltung hat, kann so unmittelbar studiert werden. Raffinessen wie die Timpani in D und A, die mittels zweier Fußtritte zu betätigen sind, vermögen zu begeistern die interpretatorischen Möglichkeiten.

Dass die Besucher in den Genuss kamen, die faszinierende Stilkopie einer kleinen historischen Orgel (16 geteilte Register) aus dem Siglo d’Oro, dem Goldenen Zeitalter Spaniens (16.-18. Jh.) hören zu können, verdankt sich dem befristeten Leihvertrag zwischen der Hochschule für Musik Mainz und der renommierten Werkstatt Lois aus Tordesillas (Kastilien). Diese stellte auf Initiative von Prof. Gerhard Gnann das besondere Instrument für Forschungszwecke und natürlich auch pädagogische Zwecke zu Verfügung. So wurde im Unterricht von ihm intensiv Gebrauch gemacht, inklusive der Prüfungen im Masterstudiengang Orgel bis zum Konzertexamen. Der Schwerpunkt „Alte Musik“ in der Abteilung Kirchenmusik/Orgel kam durch diese Ausstattung angemessen zur Geltung.

Freilich war das Orgelstilkundeseminar des vergangenen Semesters deshalb ausschließlich der Interpretation der iberischen Orgelmusik gewidmet. Hier betreten wir noch viel Neuland und es gibt vieles zu erkunden, was nur mithilfe eines Instrumentes vor Ort möglich ist. Vermutlich sind die bekannten spanischen Trompeten das optisch auffälligste Kennzeichen einer spanischen Orgel. In Rekurs auf die Kultur- und Kunstgeschichte Spaniens vermittelte das Seminar detailliert die Entwicklung der einzelnen musikalischen Gattungen in enger Verbindung mit dem Orgelbau. Dass die horizontale Ausrichtung dieses Zungenregisters ein Indiz für die Spätphase des spanischen Barocks ist, wurde exemplarisch anhand der Batalhas verdeutlicht, die als instrumentale Schlachtengemälde auf vokale Vorläufer zurückgehen. Jener Aspekt zeigt, dass ein fachlich adäquates Erforschen und Studium jener Epoche des Zuganges zu historischen Instrumenten bedarf, um die spezifische Spielpraxis kennen zu lernen und zu erproben.

Als weitere orgelbauliche Merkmale seien in diesem Zusammenhang exemplarisch die Kurze Oktave und die geteilten Register genannt. Medios registros ermöglichen ein obligates Spiel jeweils in Bass- und Diskantlage auf nur einem Manual und gewährleisten einen Reichtum an schönen Klangfarben. Diese einschlägige Registrierpraxis dokumentiert sich oftmals in der Bezeichnung spanischer Orgelliteratur, wie beispielsweise Tiento de medio registro. Solche Kompositionen repräsentieren also die Charakteristika des iberischen Orgelbaues. Bemerkenswerterweise hat sogar die mit der Raumarchitektur korrelierende Position der einander gegenüber liegenden Chororgeln in spanischen Kathedralen ihren Niederschlag in kompositorischen Strukturen gefunden: das dialogische Prinzip mancher Stücke steht in einer jahrhundertealten musikalischen Tradition und verströmt den Geist des landestypischen Katholizismus.

Doch stellt sich die Frage, wie in Deutschland angesichts der kaum verfügbaren Originalinstrumente dennoch die reizvolle spanische Orgelliteratur dargestellt werden kann: Um für eine überzeugende Interpretation auf deutschen Orgeln vorbereitet zu sein, ist die Kenntnis der historischen Instrumente unverzichtbar. Entsprechend interessant erweist sich dann auch das klangliche Experiment, iberische Meister direkt von der Lois-Orgel auf die moderne aus der Luzerner Werkstatt Goll zu übertragen, eine Möglichkeit, die in diesem Umfang für Seminarzwecke nur ein extra Orgelsaal wie der in der Mainzer Musikhochschule bietet.

Um dem differenzierten Ausbildungsprofil der Abteilung zukünftig gerecht werden zu können, steht ein vergleichbares Nachfolgeinstrument von Lois in Aussicht, mit dem sowohl angehende Kirchenmusiker als auch Konzertorganisten im neuen Masterstudiengang und der Meisterklasse, die auf das Konzertexamen vorbereitet, eine Spezialisierung vollziehen können.

Die Orgelbauwerkstatt von Joaquin Lois hat sich seit geraumer Zeit einen bedeutenden Namen gemacht mit der Restaurierung historischer Instrumente und stilgetreuen Nachbauten. Sie verleiht musikalischen Einrichtungen ihre Instrumente und stellt sie auch für den Gebrauch auf Festivals zur Verfügung. Differenzierte Konditionen hinsichtlich der technischen und ästhetischen Ausführung in Auftrag gegebener Orgeln bietet Lois im Rahmen seines Projekts „Clarin“. Über eine stilgemäße Disposition hinaus legt er besondere Sorgfalt auf die Verwendung von qualitativ hochwertigen regionalen Materialien wie Eichen-, Pinien-, Zedern-, Buchsbaum- und Walnussholz, Schafleder und spezifischen Metalllegierungen. So kommt nicht nur in der künstlerischen Gestaltung des Gehäuses orgelbauliche Kreativität zum Ausdruck.

Auch unter den Vorzeichen der Europäisierung der Hochschullandschaft kann die Bedeutung eines landesspezifischen Instrumentes, welches eine bestimmte geschichtliche Epoche vertritt, nicht hoch genug geschätzt werden. Die zahlreichen innereuropäischen Austauschkontakte im Rahmen des renommierten Erasmus-Programmes (Oslo, Warschau, Krakau, Lodz, Kopenhagen, Pesaro, Perugia und Dijon) zeugen von den interkulturellen Bestrebungen und Ambitionen der Abteilung Kirchenmusik/Orgel der Mainzer Hochschule für Musik, von denen alle Beteiligten profitieren. So befindet sich die Organisation von Studienaufenthalten in Madrid in Vorbereitung. Neben anderen ausländischen GastdozentInnen wird dann zukünftig auch eine spanische Persönlichkeit in Mainz begrüßt werden können.

Dominik Röglin

Erste Organ Masterclass im italienischen Cortona (Oktober 2011)

Der Start in das Wintersemester war gleich mit einer Besonderheit verbunden: zur ersten Masterclass im italienischen Cortona trafen sich die fortgeschrittenen Studierenden der Abteilung Kirchenmusik/Orgel an der Hochschule für Musik Mainz vom 16.-22. Oktober 2011. Gleich mehrere historische Orgeln in der malerischen Etruskerstadt versöhnten mit mancher Strapaze der Anreise, denn umringt von einer intakten Stadtmauer erstreckt sich die Città di Cortona steil aufwärts auf einem Berg der südtoskanischen Landschaft an der Grenze zu Umbrien. Das Gästehaus des Zisterzienserinnenklosters bot eine würdige Unterkunft für die deutschen Teilnehmer und ihre italienischen Kommilitonen. Die Klosterküche sorgte an einigen Tagen für eine landestypische Verköstigung, in deren Genuss man auch in den zahlreichen Restaurants der Altstadt kam.

Bei einem informativen Stadtrundgang, der von einer Kirche zur nächsten führte, stellte Prof. Gerhard Gnann, der gemeinsam mit seinem Kollegen Luca Scandali aus Perugia den Meisterkurs leitete, sowohl musikalisch als auch kulturgeschichtlich die Merkmale des jeweiligen Instrumentes vor. Der weiche Klang in den Grundstimmen zeichnet die alten Orgeln Italiens aus. Der gesangliche Charakter der Orgelmusik entstammt der bedeutenden italienischen Vokaltradition. Diese enge Verbindung von Stimme und Instrument durften die Gottesdienstbesucher in den drei katholischen Messen erfahren, welche im Laufe der Woche von den Kursteilnehmern musikalisch gestaltet wurden. Jeweils in einer anderen Kirche stattfindend, erklangen in ihnen Kompositionen italienischer und stilistisch verwandter süddeutscher Meister des 16.-19. Jahrhunderts. Dabei spielten die Musiker nicht nur die historischen Instrumente, sondern bildeten auch gemeinsam eine Schola für die liturgischen Gesänge. Unter der fachkundigen Leitung von Christine Pfeifer-Huberich, die als Dozentin für gregorianischen Gesang an der Hochschule für Musik Mainz dankenswerterweise zu diesem Orgelinterpretationsmeisterkurs nach Cortona mitgereist war, deklamierte der Chor die gottesdienstlichen Weisen vom Kyrie bis zum marianischen Lobgesang. Als ausgesprochen interessant erwies sich der stilistische Übergang von der mittelalterlichen Einstimmigkeit zur frühen Polyphonie eines italienischen Meisters wie Giovanni Pierluigi da Palestrina. Frescobaldis Elevationstoccaten auf den Orgeln des frühen Barocks betonten den andächtig-feierlichen Charakter der Heiligen Eucharistie. Die Alternatimspraxis, jene Form des wechselnden Musizierens von Orgel und Chor, unterstrich die Zusammengehörigkeit von vokalem und instrumentalem Klangkörper. Im Verlauf der Kurswoche hat eine Kombination aus musikgeschichtlichem Seminar mit stilkundlichen Aspekten sowie Einzelunterricht die Teilnehmer befähigt, unter Berücksichtigung der historischen Aufführungspraxis, an den Orgeln Cortonas zu musizieren.

Neben einem gemeinsamen Besuch des empfehlenswerten Heimatmuseums Cortonas stellte der Ausflug nach Florenz einen weiteren Höhepunkt dar: Prof. Gerhard Gnann gab ein vielfältiges Konzertprogramm an einem ganz ungewöhnlichen Ort, nämlich in der Cassa di Risparmio di Firenze, einer Florenzer Bank. An jenem Abend spielte der Initiator des Meisterkurses in diesem Konzertsaal Werke von spanischen, italienischen und deutschen Komponisten.

Ausdrücklich gewürdigt wurde im Anschluss das große Verdienst Gian Carlo Ristoris, des Vorsitzenden der Associazione per il Recupero e la Valorizzazione degli Organi Storici della Città di Cortona (Gesellschaft für die Wiederentdeckung und Wertschätzung der historischen Orgeln der Stadt Cortona). Der Organologe, seines Zeichens Ingenieur und Honoratior, hat in diesem Jahr eine Fachpublikation über die historischen Orgeln Cortonas herausgegeben, in der sämtliche Instrumente detailliert präsentiert werden. Das hohe Engagement dieser Organisation, ein solch informatives Handbuch und ansprechende Konzerte gewährleisten zukünftig die Aufmerksamkeit einer kulturell interessierten Öffentlichkeit für die wertvollen und klangschönen Orgeln Cortonas und dieser Region.

Ein Meisterkurs, wie er aus der Zusammenarbeit der Associazione mit der Hochschule für Musik Mainz zustande kam, vermag die fachlichen Aspekte einer stilgerechten Interpretation der italienischen Musik zu vermitteln, so dass die nachfolgende Musikergeneration das besondere Erbe jener Epoche bewahren und lebendig halten kann.

Internationale Begegnung in der Landesmusikakademie Rheinland-Pfalz (Juni 2011)

Die letzte Woche im Juni 2011 verbrachten die Studierenden der Abteilung Kirchenmusik/Orgel in der rheinland-pfälzischen Landesmusikakademie in Engers, wohin sie das Motto eines besonderen Orgelkurses führte: „Von Bach über Mendelssohn bis zu zeitgenössischer Improvisation mit russischen Impressionen“. Denn diese Fortbildungsstätte erwies sich gleichzeitg als Ort einer internationalen Begegnung: Alexander Fiseisky, renommierter Konzertorganist und Orgelpädagoge aus Moskau, war mit seinen Studierenden von der Gnessin-Musikakademie angereist. Bereits Fiseiskys Eröffnungskonzert in der großen Pfarrkirche zu Vallendar verband deutsche Orgeltradition mit russischen Werken der Romantik und der Gegenwart. So war es für die Mainzer Studierenden inspirierend, die kulturell vertrauten Meister Bach und Mendelssohn an verschiedenen Instrumenten der Region, unter anderem auch an der neuen Orgel der Florinskirche in Koblenz, unter Anleitung des russischen Dozenten zu interpretieren. Umgekehrt profitierten die Moskauer Kommilitonen von dem Kurs bei Prof. Gerhard Gnann. Gemeinsam fand der Unterricht in Improvisation statt unter der Leitung von Prof. Hans-Jürgen Kaiser, der sich thematisch an Bachs frühen Choralbearbeitungen aus der Neumeistersammlung orientierte und diese kontrastierend modernen Formen gegenüberstellte, wie beispielsweise Clustertechniken, minimal music und modernen Partitenformen.

Äußerst spannend war denn auch die Kombination von Orgelliteratur und Improvisation während des Abschlusskonzertes der Studierenden an der historischen Stumm-Orgel in der kath. Pfarrkirche zu Heimbach‐Weis. Wie auch in den vergangenen Jahren werden die Mainzer Studierenden auch 2012 wieder in der Landesakademie zu Gast sein. Die russischen Gäste hatten außerdem Gelegenheit, ihr Programm - erweitert um spanische Kompositionen – an der großen Goll-Orgel und dem kastilischen Instrument in der Hochschule für Musik Mainz im Rahmen der Konzertreihe „Die Königin lässt bitten…Orgelmusik auf dem Campus“ zu präsentieren.

Dominik Röglin