Konzert des Experimental Sound Ensemble

Konzert des Experimental Sound Ensemble

Leitung: Prof. Peter Kiefer

Freitag 10. Febr. 2017 | 18:30 - 19:30 Uhr | Black Box
(im Anschluss: Semesterabschlusskonzert der Schulmusik, Roter Saal)

 

 

Oliveros / Rzewski / Wolff / Reiff (UA)

Auf vielfachen Wunsch wurde im Oktober 2016 an der Hochschule für Musik Mainz ein Ensemble für Neue Musik gegründet!

Im Gedanken eines „Performers-Workshop-Ensembles“ entstand ein spartenübergreifendes Projekt, in das sich alle Aktive und Kreative der Hochschule für Musik einbringen konnten – Schulmusiker, Jazzmusiker, Orchestermusiker, Sänger, Klangkünstler etc. Der Name Experimental Sound Ensemble (ESO-Ensemble) ist Programm: das Projekt war von Beginn an mit einem möglichst kooperativen Ansatz angedacht und als Themenvorschlag stand von Anfang an das Thema der Freiheit im Raum.

In der Planung war die aktuelle Entwicklung der politischen Situation in den USA nicht abzusehen. Gerade jetzt scheint es sehr passend, an die USA als ein Land der Mutigen und Freien zu erinnern. Denn insbesondere seit den späten 1960er Jahren haben viele amerikanische Künstler und Musiker mit ihren experimentellen und freiheitlichen Konzepten die Welt der Klänge und Musik geprägt. Dieser Ansatz bildet den Schwerpunkt des cirka einstündigen Konzertes.

Daraus hat sich nun ein spannendes und interessantes Programm entwickelt.

Es kommt ein Werk in Gedenken an die erst kürzlich verstorbene amerikanischen Komponistin Pauline Oliveros zur Aufführung in deren Komposition The Tuning Meditation auch das Publikum einbezogen werden wird. Die Werke von Frederic Rzewski Coming Together und EDGES von Christian Wolff gelten als Meilensteine der experimentellen Musik. Sie werden ergänzt durch die Uraufführung Match & Fetch des ESO-Ensemblemitglieds Alexander Reiff.

The Tuning Meditation • von Pauline Oliveros (*1932 – gest. 2016)

Das Stück aus dem Jahr 1971 ist eines der „Vier Meditationen für Orchester“ und wurde in Versionen für Stimme oder kleinere Instrumentalensembles aufgeführt. Im Rahmen von Mainz Musik auch vom Orchester der Hochschule für Musik Mainz im Jahr 2013.

Es gibt keine konventionelle Notation. Die Partitur besteht aus Anweisungen wie in einem Rezept, die für jeden Spieler identisch sind. Jeder Musiker ist für seinen eigenen Part innerhalb der gegebenen Anleitungen selbst verantwortlich. Da man sein Augenmerk nicht auf eine geschriebene Stimme richten muss, kann sich die Konzentration des Aufführenden voll auf den Klang und die Erfindungsgabe ausrichten.

In „ The Tuning Meditation“ werden die Spieler gebeten, sich exakt auf einen anderen Spieler einzustimmen oder einen Klang (Tonhöhe) beizutragen, den niemand anders erklingen lässt.

In diesem Werk werden die Grenzen zwischen Komponist und Ausführenden weitestgehend aufgehoben. Der kreative Prozess ist ein gemeinsamer. Dieses wollen wir mit dem Publikum beim Auftakt des Konzertes teilen. Auch als Hommage an die im November 2016 verstorbene Künstlerin.

COMING TOGETHER  - 1971• von Frederic Rzewski, (*1938)

Das Stück für Ensemble und Sprecher ist ein Werk der Minimalmusik mit festgelegtem Text und einer Basslinie. Der Rest wird nach den Vorgaben des Komponisten improvisatorisch auf der Bühne gestaltet. Diese emotional geladene Komposition hat als Textgrundlage einen kurzen, kompromisslosen Brief aus dem Jahre 1971, geschrieben von Sam Melville, einem Gefängnisinsassen aus Attica, New York. Ein Kultstück und ein musikalischer Aufschrei nach Gerechtigkeit und Leben.

EDGES • von Christian Wolff (*1934)

for any numbers of players, any numbers of instruments, 1969

Christin Wolffs EDGES gehört zu den Stücken, dessen Klangergebnis bis zum Ausklingen des letzten Tones im Konzert niemand kennt. Der Komponist übergibt den Interpreten ein Partiturblatt mit sparsam gesetzten Zeichen und einer kurzen Erklärung des Konzeptes. Die Zeichen sollen inspirieren, beeinflussen, die Grenzen bestimmen, aber auch einen Horizont zum Agieren, Reagieren und Improvisieren öffnen.

MATCH & FETCH (UA) - Alexander Reiff (*1991)

Inspiriert von den freien Ansätzen einer Pauline Oliveros, die das Hören in den Mittelpunkt stellt, hat Alexander Reiff für das Ensemble ein Stück entwickelt, welches er nennt: A game for an at most countably infinite number of players.

Das Ensemble ist in zwei Gruppen aufgeteilt: die Matcher und Fetcher. Ein unisono Beginn der Fetcher wird immer weiter aufgefächert in einen Clusterklang, der sich aus dem Finden eines gemeinsamen Tons der Matchergruppe und dem Nachspüren desselben Tons der Fetcher-Instrumente ergibt.

 

(Bild: 123RF Lizenzfreie Bilder)